Unsere Kollegin Lilly N. (Pseudonym) befindet sich zur Zeit in Kambodscha und berichtet von der Unterdrückung der Proteste zugunsten Darfurs durch die dortige Regierung.:

MedienIm Rahmen der weltweiten Dream For Darfur Relay wollte die engagierte US-Schauspielerin Mia Farrow, nach erfolgreichen Veranstaltungen im Tschad, in Ruanda, in Bosnien, Armenien und Deutschland, nun auch in Kambodscha auf den gegenwärtigen Völkermord im Sudan aufmerksam machen.

Der symbolische olympische Fackellauf sollte am Sonntag, dem 20.01.2008 in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh im Toul Sleng Museum stattfinden und den weltweiten Genozid-Opfern gedenken. Die ehemalige Schule diente während des Khmer Rouge-Regimes als Foltergefängnis, dem keiner der 16.000 ehemaligen Häftlinge lebend entkam.

Bereits im Dezember 2007 hat Dream For Darfur mit der einheimischen Nichtregierungsorganisation CSD (Center for Social Development) die öffentliche Zeremonie in der Gedenkstätte offiziell angemeldet – und schriftlich genehmigt bekommen.

Kurzfristig ließ die kambodschanische Regierung die Veranstaltung jedoch verbieten mit der Drohung sämtliche am Fackellauf beteiligten Ausländer des Landes zu verweisen, da die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China auf gar keinen Fall gefährdet werden soll durch die china-kritische Zusammenkunft.

Der Grund: Mit der Kampagne “China Please” möchte Dream For Darfur die chinesische Regierung und Industrie auffordern, Abstand von Geschäften mit dem Sudan zu nehmen, da so der blutige Angriff auf unschuldige Darfuris mitfinanziert werde.

Etwa 200 Kräfte der kambodschanischen Militärpolizei blockierten ganztägig alle Zufahrtswege zum Toul Sleng Museum, um die 8-köpfige Delegation um Mia Farrow und um CSD-Direktorin Theary C. Seng, daran zu hindern, mit Lotusblumen den Toten zu gedenken.

Anschließend bei der Presse-Konferenz schossen Theary C. Seng, deren Eltern von Pol Pots’ Schergen umgebracht wurden, die Tränen in die Augen – sie schäme sich für die Haltung ihres Heimatslandes, die diese friedliche Versammlung mit noblen Absichten mit Polizeigewalt unterbunden hat zugunsten wirtschaftlicher Interessen.

Auf diese Weise hat Kambodscha auf peinliche Weise sein wahres Gesicht der Weltöffentlichkeit gezeigt und gleichzeitig daran erinnert, dass China auch das sozialistische Khmer Rouge-Regime damals maßgeblich mit Devisen und Waffen unterstützt hat und dass selbst heute in der scheinbaren Demokratie es nicht möglich ist, sich zu versammeln und seiner Meinung kund zu tun.

PressekonferenzHätte die Dream For Darfur Fackelzeremonie wie geplant im Toul Sleng Museum stattgefunden, hätte die Veranstaltung bei der internationalen Presse wohl kaum Beachtung gefunden.

Doch damit nicht genug: Um den eigenen Image-Schaden zu begrenzen, ist die kambodschanische Regierung nun darum bemüht, die Veranstalter zu beschuldigen, Samstag Nacht in das Toul Sleng Museum eingebrochen zu sein, um dort unerlaubt Fotos zu machen mit Mia Farrow und dem Künstler Vann Nath. dem einzigen Überlebenden des Foltergefängnisses.

Wir haben auf der Website einen Bereich eingerichtet, in dem Materialien zur Zeremoniefeier und Pressekonferenz für den redaktionellen Gebrauch heruntergeladen werden können. (mehr…)

Ahmed Musa (Darfur-Hilfe e.V.), Mia Farrow und Michel Friedman entzünden eine Fackel für die Menschen in Darfur

Ahmed Musa (Darfur-Hilfe e.V.), Mia Farrow und Dr. Michel Friedman entzünden die symbolische olympische Fackel am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Hoffnungsvolles Kindgenocide olympicsEs sind weniger als neun Monate, bis die olympischen Spiele in Peking beginnen. Die chinesiche Regierung läßt bisher keine Bereitschaft erkennen, ihren Einfluss auf die Regierung in Khartoum einzusetzen, um die Menschenrechtssituation zu verbessern. Am 29. November kam Mia Farrow mit dem Olympic Dream for Darfur nach Berlin. Dies ist Teil eines symbolischen olympischen Fackellaufs rund um die Welt. Bisher war die Fackel im Tschad nahe der sudanesischen Grenze, in Ruanda und in Armenien. Nach der Station in Berlin wird die Fackel nach Bosnien kommen. Das vereinende Motiv all dieser Orte ist ihre Bedeutung in Genoziden. Der Fackellauf erinnert daran, dass das Motto der Pekinger Spiele «One World, One Dream» ein Hohn ist, solange man nicht die Konsequenzen aus vergangenen Genoziden zieht. Dieses Problem wird  in einem Artikel von Genocide Alert anlässlich des Ereignisses vertieft betrachtet.

Bildcredits:

Kind aus Darfur: Mia Farrow

Genocide Olympics Logo: Yann Seitek

Olympic Dream for Darfur begann Anfang August (genau ein Jahr vor dem Beginn der olympischen Spiele in Peking) einen symbolischen Fackellauf um die Welt. Dieser Fackellauf soll die Hoffnung ausdrücken, dass China seine gleichzeitig indirekte Unterstützung für den Genozid wegen der olympischen Spiele nicht aufrecht erhält.

Am 29. November bringt Olympic Dream for Darfur in Zusammenarbeit mit RettetDarfur.de den Fackellauf nach Berlin. Am Denkmal für die ermordeten Juden Europas wird die Fackel symbolisch entzündet werden (mehr Informationen), im Anschluss findet eine Pressekonferenz statt (mehr Informationen).

Warum am Denkmal für die ermordeten Juden? Die Unvergleichlichkeit der Shoah ist auf den ersten Blick ein Argument dagegen, Darfur in ein Verhältnis zu Auschwitz zu stellen. Das gilt allerdings vor allem für den direkten Vergleich. Der Standpunkt von RettetDarfur.de dazu ist folgender:

Der Genozid in Darfur ist weder qualitativ noch quantitativ der Shoah gleich. Er zeigt aber, dass nach 60 Jahren immer noch Völkermord vor den Augen der Welt zugelassen wird, weil die Veränderung im Denken und Handeln, die nach Auschwitz hätte eintreten müssen, immer noch nicht vollzogen ist.

Es sollte noch einmal hervorgehoben werden, dass es hier um die vielbeschworenen «Lehren aus Auschwitz» geht. Dabei geht es eben nicht darum, in welchem Verhältnis Ausmaß und Methode der Verbrechen zueinander stehen. Wenn sich unsere Politiker sich nicht bemüßigt fühlen, entschiedene Schritte einzuleiten, nachdem «nur» Hunderttausende in gestorben sind, wie kann man ihnen abnehmen, dass sie sich entgegenstellen, wenn es tatsächlich mehrere Millionen treffen sollte?