PDF Aktionsablauf 15. September, Geschwister-Scholl-Platz, München + Hintergrund
Am 15.09 werden Studenten mit Unterstützung von RettetDarfur, der Gesellschaft für bedrohte Völker, Genocide Alert, Rwanda Gesellschaft ev., SOS-Darfur, FuerDarfur, Attac-München, Darfur- Hilfe eV. und Mitgliedern von Amnesty International in einer Spektakulären Aktion auf die Situation in Darfur aufmerksam machen.
Zur Teilnahme ist JEDERMANN und JEDEFRAU herzlich eingeladen!
Die Aktion:
Ort: Geschwister Scholl Platz, Universitätsbibliothek LMU München.
Termin: Montag, 15. September
Treffpunkt: 11:30 Uhr, U-Bahn-Eingang.
Start: 11:40 Uhr, U-Bahn Eingang.
Ablauf: Langsamer Marsch Richtung Bibliothekseingang.
Marsch: 3-5 Leute haben Faschingspistolen/Gewehre:
Es fallen Schüsse, jemand fällt um und bleibt am Boden liegen. Die Menge geht, ohne es zu beachten weiter. Alle 5-10m erneut Schüsse, wieder fällt jemand und bleibt am Boden liegen.
Ziel des Marsches, Szenario:
Vor dem Eingang der Bibliothek bilden wir eine kreisähnliche Form (Größe von Anzahl der Leute abhängig).
Im Kern spielt sich das Szenario erneut ab: Schüsse, eine Person fällt zu Boden. Schüsse. Fall. Schüsse. Schüsse.
Die Umstehenden halten sich Augen und Ohren zu. Schauen zur Seite, darüber hinweg etc. -> sie bekunden Desinteresse. Sie bleiben „eingefroren”. Drehen vielleicht den Kopf, schauen kurz hin, dann schnell wieder weg. Im Inneren des Kreises sind weiterhin Schüsse zu hören.
Dauer: ca.10 Min. bis 11.54 Uhr, dann Pause. Währenddessen:
Flugblatt-Aktion:
11.54 Uhr: 10-15 Personen gehen in die Bibliothek, und legen auf dem Gang über dem Lichthof Flugblätter mit der Erklärung der verschiedenen NGO´s aus. (Es könnte passieren, dass dabei Flugblätter aus Versehen auch nach unten in den Lichthof fallen.)(Im Untergeschoss vor dem Lichthof befindet sich die Gedenkstätte zur „Weisen Rose”) Dauer ca. 3 Minuten.
11:59 Uhr: 1 Minute vor 12 haben Alle wieder den Eingang vor der Bibliothek erreicht, und wiederholen das Szenario, die Szene wird für eine Minute wiederholt: Gewalt und Wegschauen.
Ende: Punkt 12:00 Uhr wird die Szene durch eine Trillerpfeife aufgelöst.
(LSD kümmert sich um die Aufräumarbeiten der Flugblätter etc)
Hintergrund:
Seit mehr als 5 Jahren gibt es einen von der Welt (und besonders von Deutschland) vergessenen schrecklichen Krieg mit ethnischen Säuberungen im Westsudan. Die rassistische und auf den Machterhalt ausgerichtete Politik der sudanesischen Regierung hat dort wahrscheinlich mehr als 300.000 Menschenleben gefordert. Die Zahl steigt täglich und die politische Situation wird zunehmend schwieriger.
Mehr als 2000 Dörfer wurden auf Befehl der Regierung vernichtet und meist dem Erdboden gleichgemacht. Mehr als 2,6 Millionen [1] Menschen haben sich in Flüchtlingslagern gesammelt um den schrecklichen Angriffen zu entkommen. Dort warten viele Menschen schon seit Jahren auf die Möglichkeit in ihre zerstörten Dörfer und Städte zurückzukehren. Die Lage in vielen Lagern ist erbärmlich, sodass täglich viele Menschen an den Folgen von Unterversorgung sterben. Die Regierung erschwert die Versorgung der Menschen auf vielfältige Weise, sodass viele der Überlebenden der Angriffe in der 2. Phase an Hunger und Krankheiten sterben. Die Sterblichkeitsrate ist im Jahr 2008 wieder über den Notstand geklettert[2], Tendenz steigend. Anfang September musste die Welthungerhilfe die Versorgung von rund 450.000 Flüchtlingen einstellen, die dringend auf diese Hilfe angewiesen sind. Wenige Tage später, am 07. September kündigte das World Food Program (WFP) der UN an, weitere Hilfslieferungen einzustellen, sollte sich die Sicherheitslage nicht verbessern[3]. Das WFP versorgt derzeit 3 Millionen Menschen in Darfur, bereits im Juli musste das WFP die Versorgung teilweise einstellen, annähernd 50.000 Menschen hatten für einen Monat (Juli) überhaupt keine Essenversorgung erhalten. Seit Mai mussten Flüge und Hilfslieferungen gekürzt werden.
Die Stationierung von Truppen der UN und der Afrikanischen Union (UNAMID) wurde von der Regierung weitgehend verhindert, sodass die bereits stationierten Blauhelme ihrer Aufgabe machtlos gegenüberstehen.(z.B. griffen die UN/AU – Blauhelme nicht ein, als Ende August Einheiten sudanesischer Armee und Sicherheitskräfte ein Flüchtlingslager umstellten, angriffen und dabei wahllos mehr als 30 Flüchtlinge erschossen, und ca.200 schwer verwundeten – überwiegend Frauen und Kinder[4].
Da China rund 70% des im Sudan geförderten Öls aufkauft, hat es hohe ökonomische Interessen und verhinderte im Weltsicherheitsrat der UN ein konsequentes Vorgehen gegen das sudanesische Regime. Auch Russland plädierte gegen einen Eingriff der UN gegen den Willen des sudanesischen Regimes - sowohl Russland als auch China verkauften in den letzten Jahren große Mengen an militärischer Ausrüstung an das Regime.
Geteilte Interessen der internationalen Gemeinschaft haben dazu geführt, dass ihr politischer Einfluss bisher gering geblieben ist und zu keiner Veränderung der Verhältnisse geführt hat. Von deutscher Seite wurde die Krise in Darfur leider kaum behandelt. Weder politisch noch medial – die Stille in Deutschland zu einem dem Nationalsozialismus ähnlichen Ereignis ist erschreckend. Weiterhin betreibt Deutschland Handel mit dem Sudan (Handelsvolumen 2006 über 300 Millionen €, Statistisches Bundesamt 2007) ohne sich für die Bedürfnisse der Not leidenden Bevölkerung in Darfur besonders einzusetzen. Deutsche Banken (z.B. die Deutsche Bank und Bayern LB) investieren in Ölfirmen[5], die im Sudan Öl fördern und finanzieren somit indirekt den Krieg gegen die Zivilbevölkerung in Darfur.
Wir wollen an diesen Gräueltaten weder teilhaben, noch wollen wir stillschweigen. Es grenzt an Doppelmoral, wenn Deutschland NS-Gedankengut in tabuisierter Form verurteilt, während es rassistisch motivierte Morde von Hunderttausenden 4000km südlich von Deutschland einfach stillschweigend hinnimmt.
Wir erinnern Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Medien an ihre Verantwortung gegenüber den Menschen in Darfur. Wir fordern konkrete Schritte von der deutschen Regierung und mehr Berichterstattung deutscher Medien. Wir wollen alle zu unserer Verfügung stehenden Mittel nutzen, um gemeinsam zu einer Beendigung des Krieges im Sudan beizutragen und das – ist eine ganze Menge.
Informationen zu Darfur findet man reichlich bei AI, HRW, GfbV, SaveDarfur und vielen anderen Organisationen. Nachrichtenmeldungen findet man täglich zu dutzenden (in englischer Sprache) z.B. unter: http://news.search.yahoo.com/search/news?ei=UTF-8&toggle=1&fr=yfp-t-501&cop=mss&p=darfur).
Quellenhinweise:
[1] 2,45 Millionen im Land Vertriebene (IDPs) plus 250.000 Flüchtlinge aus Darfur in umliegenden Ländern, plus 215,630 Flüchtlinge aus dem Tschad in Darfur, ergeben eine Gesamtzahl von 2.915.630 Menschen in Flüchtlingslagern aufgrund des Darfurkonfliktes, täglich kommen Tausende in den Flüchtlingslagern an. Im Süden und Osten des Sudan leben weitere 2,86 Millionen Vertriebene(UNHCR und OCHA). Siehe z.B.: http://www.reliefweb.int/rw/rwb.nsf/db900sid/KKAA-7J82ME?OpenDocument&rc=1&cc=sdn , Stand: 09.09 2008.
[2] Der Notstand-Schwellwert (Emergency-Treshhold) der Sterblichkeitsrate liegt bei 1Toter/10.000Menschen/1Tag. Wird dieser überschritten heißt das, es sterben mehr als eine Person von 10.000 täglich. Bei 2,9 Millionen Flüchtlingen sind das mehr als 290 Personen/Tag alleine in den Flüchtlingslagern. Opfer von Gewalt meist nicht mit eingerechnet. Auf ein Jahr gerechnet sind das über 105.850 Todesfälle. Auf die 4,2Millionen auf internationale Hilfe angewiesenen Menschen in Darfur gerechnet, wären das 153.300 Todesfälle/Jahr. Selbst wenn man großzügig rechnet, und nur die Hälfte der Todesfälle den Folgen des Krieges zuschreibt, läge die Zahl der vom Krieg verursachten Todesfälle momentan bei mehr als 70.000 pro Jahr. Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, dass Statistiken über die Sterblichkeit nur aus wenigen Flüchtlingslagern mit Präsenz internationaler Hilfsorganisationen vorliegen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zahlen für Sterblichkeit in Gebieten, zu denen Hilfsorganisationen keinen Zugang haben, weit höher liegen. Nur ein Teil der Gebiete Darfurs und somit der Flüchtlingslager erfreut sich über eine dauerhafte Präsenz von Hilfsorganisationen.
[3] Siehe z.B. http://www.reliefweb.int/rw/rwb.nsf/db900sid/RMOI-7J9L9M?OpenDocument&rc=1&cc=sdn
[4] Siehe z. B. http://www.sudantribune.com/spip.php?article28403, http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=80001, oder http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L2728824.htm
[5] German financial institutions and oil & gas in Africa and the former Soviet Union. Profundo, December 2007.
Investing in Tragedy, China’s Money, Arms and Politics in Sudan, Human Rights First, March2008.
Sudan Company Rankings, Genocide Intervention Network, August 2008, http://www.google.de/url?sa=t&source=web&ct=res&cd=1&url=http%3A%2F%2Fwww.ajws.org%2Femergencies%2Fdarfur%2Fsudan_company_rankings_may_31_2008.pdf&ei=W4jGSJqyJZyymwPBlqSvAQ&usg=AFQjCNGO4-vE5XE5qp81V7I6-ko2k_CRuw&sig2=pqiLMNa2Fe6h86tNvpJF-Q, Stand 09.09. 2008.
L
03. September 2008 at 13:02
[...] Aktion am 15.Sept. in München ! Bitte mitmachen und weitersagen « RettetDarfur.de Dieser Eintrag wurde von Daniel Fallenstein am Mi, 3. Sep 2008 um 14:02 geschrieben, abgelegt [...]
12. September 2008 at 01:24
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