(28.06.2008 ) Die über 4 Millionen auf internationale Hilfe angewiesenen Menschen in Darfur können von humanitären Hilfsorganisationen kaum noch erreicht werden. Steigende Überfälle auf Konvois des Welternährungsprogramms(WFP) führten im Mai zu einer Kürzung der Lebensmittelrationen um 42%. Die Zuteilung des täglichen Energiegehaltes sank von 2,156 auf 1,242 Kilokalorien pro Person. Von dieser Maßnahme sind laut WFP 2,7 Millionen Menschen betroffen.

Angriffe auf Hilfsorganisationen, besonders auf Konvois des Welternährungsprogramms bringen derzeit die Nothilfe für die Hungernden fast völlig zum Erliegen. Seit 2006 ist die Zahl der Überfälle auf Hilfsorganisationen beständig angestiegen. 160 Entführungen (inkl. Fahrzeuge) und 8 Tote zählte das WFP allein in 2008 – soviel wie im ganzen Jahr 2007. Durch die immer prekärer werdende Sicherheitslage in Darfur sind inzwischen nur noch wenige Gebiete Darfurs zugänglich. Die Brisanz der Lage wird auf einer von der UN(OCHA) veröffentlichten Karte deutlich: Mehr als die Hälfte des Gebietes ist nur noch sporadisch und begrenzt zugänglich, viele Städte und Flüchtlingslager sind von der Außenwelt völlig abgeschnitten und manche Gebiete die zugänglich wären, verzeichnen momentan keine Präsenz humanitärer Hilfsorganisationen.

Aufgrund der sich zuspitzenden Lage veröffentlichten am 22. Juni die größten in Darfur tätigen Hilfsorganisationen ein Statement, in dem sie von der sudanesischen Regierung, Rebellen und den Vereinten Nationen einen Richtungswechsel verlangten. Sollte dieser nichtvollzogen werden, werde dies enorme Auswirkungen auf das Wohlergehen der Menschen in Darfur nach sich ziehen. Konkret heißt das: Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Menschen in Darfur konnten bisher nur mit Mühe am Leben erhalten werden. Eine Kürzung besonders der Lebensmittel und der medizinischen Grundversorgung um fast die Hälfte wird die Todeszahlen stark steigen lassen. Die am stärksten Betroffenen hiervon sind ohne Zweifel Säuglinge und Kinder. Wasser und Sanitätsanlagen werden weit über ihre Kapazitätsgrenzen beansprucht. Die Folgen von Durchfall, Lungenentzündungen und anderen Krankheiten, welche in der kommenden Regenzeit zunehmen, werden schwerere Folgen haben, wenn die Menschen durch Unterernährung geschwächt sind.

Die Hilfsorganisationen mahnten, es bestände noch für kurze Zeit die Möglichkeit, die Bevölkerung Darfurs vor dem Schlimmsten zu bewahren. Diese Chance würde sich aber schließen. Von der internationalen Gemeinschaft verlangten sie, die Truppen der UNAMID (United Nation African Union Mission in Darfur) auf schnellstem Wege zu stationieren.

Unterzeichner des Statements: UNICEF, WFP, WHO, UNHCR IOM(International Organization for Migration),OCHA (Office for the Coordination of Humanitarian Affairs), FAO (Food and Agricultural Organization), UNJLC (UN Joint Logistic Centre)

Quellen:

Artikel: http://www.reliefweb.int/rw/rwb.nsf/db900sid/RMOI-7FUKY2?OpenDocument&rc=1&cc=sdn

http://www.sudantribune.com/spip.php?page=imprimeable&id_article=27657

www.irinnews.org/PrintReport.aspx?ReportId=78914

OCHA, Darfur Humanitarian Access Map, June 2008 http://www.reliefweb.int/rw/rwb.nsf/db900sid/JOPA-7FQGVY?OpenDocument&rc=1&cc=sdn