Mehr als fünf Jahre nach Beginn von Mord, Vergewaltigung, Vertreibung und Zerstörung in Darfur wartet die Zivilbevölkerung noch immer auf einen wirksamen Schutz vor Angriffen der sudanesischen Armee und der mit ihr verbündeten Milizen. Dabei hatte der Weltsicherheitsrat am 31.07.2007 die Stationierung einer gemeinsamen Friedenstruppe (UNAMID) aus UN und Afrikanischer Union (AU) beschlossen. Bis zum 1. Januar 2008 sollten 26.000 Soldaten und Polizeikräfte zum Schutz der Bevölkerung in Darfur stationiert sein. Durch gezielte Behinderungen von Seiten der sudanesischen Regierung und ungenügende Unterstützung durch die Geberländer wurden diese Pläne ein weiteres Mal verzögert. Die seit Oktober fast täglich erfolgten Appelle und Warnungen ranghoher Verantwortlicher der UN vor dem Debakel einer unterbesetzten, schlecht ausgerüsteten und nicht mobilen UN-Truppe fanden wenig Widerhall. Am 1. Januar übernahm UNAMID mit nur rund 9.000 statt der geplanten 26.000 Mann das Kommando. Darüber hinaus fehlen den Truppen essentielle Bestandteile wie etwa Helikopter, Transportfahrzeuge und spezielle Einheiten aus nichtafrikanischen Ländern. So gibt es auch 2008 noch kein Einschreiten durch internationale Schutztruppen bei Überfällen, Massaker und der Einäscherung von Städten und Dörfern. Die Lage hunderttausender Menschen in Darfur und im Tschad bleibt trotz vieler Bemühungen katastrophal.
Mit bis zu 400.000 Ermordeten, über 2,5 Millionen Menschen auf der Flucht und zwischen 2.000 und 3.000 zerstörten Städten und Dörfern ist der Völkermord in der sudanesischen Provinz Darfur die größte humanitäre Katastrophe unserer Tage. Hunderttausende der Hilfsbedürftigen können nicht mehr versorgt werden und das Welternährungsprogramm (WFP) warnt vor einer riesigen Hungerkatastrophe.
China spielt eine Schlüsselrolle in der sudanesischen Außenpolitik. Da China bedeutendster Abnehmer sudanesischen Erdöls ist, decken die Machthaber in Peking die sudanesische Regierung und deren Verbrechen gegen die Menschlichkeit an der Zivilbevölkerung in Darfur. Chinas Machthaber unterdrücken nicht nur die Tibeter und andere Völker im eigenen Land, sondern hintertreiben auch alle Versuche, international mehr politischen Druck auf die sudanesische Regierung auszuüben, um das Morden in Darfur zu beenden. Dies war auch der ausschlaggebende Grund, weshalb Steven Spielberg im Februar 2008 sein Amt als „künstlerischer Berater“ für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking niedergelegt hatte.
So bleibt der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgrund Chinas Blockade weitgehend tatenlos. Khartum nutzt die Untätigkeit der UN, um weiter Reitermilizen zu unterstützen, die mit ihrem Terror weite Teile Darfurs entvölkern. Da die Weltorganisation wie „gelähmt“ erscheint, ruhen nun alle Hoffnungen der Menschen in Darfur auf der Europäischen Union: Denn nur die EU ist in der Lage, mit gezielten Sanktionen gegen die Machthaber in Khartum den Druck auf den Sudan zu erhöhen. Und nur Druck aus dem Ausland wird den Sudan dazu bewegen können, den Vernichtungsfeldzug in Darfur zu stoppen. Dies lehrt die Erfahrung von fast 40 Jahren Vertreibung und Völkermord im Südsudan.