überspringe Navigation

Präsident Al-Bashir gibt Kriegsverbrecher Regierungsposten

(Göttingen, 23.01.200 8) Am 18. Januar wurde dem Janjawid-Führer Musa Hilal, dem
schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, ein hoher Beraterposten im
Ministerium für Bundesangelegenheiten übergeben.

Der 1961 geborene Musa Hilal war Führer des arabischen Mahameed Clans in Darfur.1977 wurde Hilal mit dem Vorwurf festgenommen, 17 Angehörige eines afrikanischen Stammes getötet zu haben, aber aufgrund mangelnder Beweise wieder auf freien Fuß gesetzt. 1998 wurde er der Anführung eines bewaffneten Raubüberfalls auf die Central Bank in Nyala überführt, bei dem ein Polizist getötet worden war. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen verbüßte er während der nächsten Jahre eine Freiheitsstrafe in verschiedenen Gefängnissen im Sudan.

Die Ernennung Musa Hilals zum Berater in einem wichtigen Ministerium ist skandalös
und stellt erneut den Friedenswillen der Regierung in Frage. Besonders für
hunderttausende schwer traumatisierte Kriegsopfer, die seit Jahren auf ein Ende der
Gewalt warten, ist dies ein inakzeptables Zeichen der Bedrohung und Verhöhnung.

Im Jahr 2003, mit Beginn des Darfurkonfliktes befreite die Regierung Hilal aus dem
Gefängnis und setzte ihn zur Niederschlagung der Rebellion in Darfur ein. Vermutlich
stellten Sudans Vizepräsident Ali Osman Taha und Abdullah Safi Al-Nur, Militärchef
der sudanesischen Armee seine Entlassung sicher. Berichten von Human Rights Watch
zufolge war Halil 2003 aktiv am Aufbau von Janjawid-Trainingslagern beteiligt.

Zahlreiche Augenzeugen unter den Flüchtlingen in Darfur beschuldigten Hilal, zum
Töten der afrikanischen Bevölkerung aufgerufen zu haben. Auch war nach der
Zerstörung von Dörfern gesehen worden, als er mit Janjawid-Milizen den Sieg
feierte.
2004 nannte das US State Department Hilal als einen der Obersten Führer der
Janjawid, welche den Völkermord an der schwarzafrikanischen Bevölkerung in
Kooperation mit der sudanesischen Armee ausführten.

In einem auf Video dokumentierten Interview mit Human Rights Watch Ende Sep-tember
2004 wies Musa Halil alle Schuld von sich. Im Auftrag der Regierung habe er Menschen
aus arabischen Stämmen rekrutiert, die von ranghohen Offizieren und Generälen der
sudanesischen Armee ausgebildet worden seien. Er sei jedoch nicht für die
Gräueltaten verantwortlich; die Regierung habe die Milizen mit Waffen versorgt und
das Kommando geführt.
Weil er einem Frieden in Darfur entgegenstand, verhängte die UN im April 2006 eine
Reise- und Finanzsperre über Hilal. US-Präsident George Bush erließ eine
Durchführungsverordnung mit ähnlichen Sanktionen.

Kenner der Krise vermuten, dass Präsident Al-Bashir Musa Halil den Posten gab, um
arabische Stämme und Milizen in Darfur zu beruhigen und deren Überlaufen zu den
Rebellen zu verhindern. Viele der den Janjawid angehörenden Milizen fühlen sich
zunehmend von der sudanesischen Regierung missbraucht und distanzieren sich von der
Regierung. Erst im letzten Monat hatte Abdul Wahid Al-Nur, Rebellenführer der Sudan
Liberation Army (SLA) bestätigt, dass Mohamed Ali Hamiditi, Leiter einer starken
Janjawid-Gruppe, zusammen mit 20.000 schwer bewaffneten Kämpfern ein Bündnis mit der SLA geschlossen habe.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
*
*