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Blutige Rendite - PetroChina lässt Öl mit Leben bezahlen

Von Tobias Blanken

PetrochinaUm über 163 Prozent legte der Aktienkurs des chinesischen Ölmultis PetroChina am Tag des Börsengangs zu, die Nachrichten waren dementsprechend überschwänglich: Spiegel-Online machte eine „gigantische Geschichte“ aus, die Süddeutsche Zeitung sprach von einem „fulminanten“ Börsengang und die FAZ machte gar „märchenhafte“ Zustände an Chinas Börsen aus. Mit einer Marktkapitalisierung von 1 Billion Dollar ist der Ölmulti jetzt die teuerste Firma der Welt, die Wirtschaftsteile der Zeitungen wurden folgerichtig von Superlativen aller Art dominiert.

Ein Superlativ, den PetroChina mit Fug und Recht für sich beanspruchen kann, findet sich hingegen kaum in den Wirtschaftsteilen. PetroChina ist nicht nur das teuerste, sondern auch eines der blutigsten Unternehmen der Welt. Derzeit fördert das Unternehmen weltweit rund drei Millionen Barrel Öl am Tag – eine unternehmerische Erfolgsgeschichte, die mit grenzenloser Skrupellosigkeit erkauft wird. Während die Weltöffentlichkeit angesichts der Gewalt gegen Mönche und Oppositionelle in Burma geschockt war, baute der Ölmulti in eben diesem Land eine Pipeline für über eine Milliarde US-Dollar, die der Militärdiktatur jährliche Einnahmen von 150 Millionen US-Dollar garantieren soll. Da der chinesische Staat weiterhin über 80% der Anteile an PetroChina besitzt, droht dem Unternehmen und seiner skrupellosen Geschäftspraktik von hier keine Gefahr. Schlimmer noch: Der chinesische Staat protegiert wo er nur kann. Schärfere Sanktionen der Vereinten Nationen gegen die Machthaber in Burma scheiterten nicht zuletzt an den ökonomischen Interessen, die PetroChina und der chinesische Staat an dem Pipelineprojekt haben.

Petrochina Bohrturm in IndonesienDoch es ist nicht nur der ostasiatische Raum, in dem PetroChina ohne jegliche Rücksicht auf Menschenrechte seine Profite erwirtschaftet, sondern zunehmend auch Afrika. Chinas Engagement auf dem Kontinent wächst rasant, ohne Rücksicht auf Natur und Mensch importiert das Land unter anderem Tropenholz aus Gabun, Diamanten und Koltan aus dem Kongo, Eisenerz aus Südafrika, Kupfer aus Sambia. Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen haben in den letzten Jahrzehnten schwer dafür gekämpft, dass westliche Unternehmen zumindest ein humanitäres Mindestmaß bei den Investitionen in Afrika an den Tag legen. In diese Lücke stoßen nun systematisch chinesische Firmen vor, für die Menschenrechte keinerlei Bedeutung haben.

Die menschenverachtende Spitze des chinesischen Engagements in Afrika findet im Sudan statt. Allen internationalen Protesten zum Trotz investiert China – genauer gesagt: das Tochterunternehmen CNPC (China National Petroleum Company) von PetroChina – Milliarden in dem Land, und verschafft der Diktatur in Khartum so jährliche Milliardeneinnahmen, welche diese wiederum zu über 70% für Waffenkäufe ausgibt. Die Waffen werden nach Angaben von Amnesty International systematisch bei dem Völkermord in Darfur eingesetzt; als Waffenverkäufer treten zudem häufig der chinesische Staat und chinesische Firmen auf. Aufgrund dieses blutigen Profitkreislaufes wurde PetroChina vom Genocide Intervention Network zu den Highest Offenders (grössten Missetäter) gezählt, es ist also eine der Firmen, die den Völkermord direkt und indirekt unterstützen.

Der „fulminante“ Börsengang von PetroChina hat also tatsächlich eine „gigantische Geschichte“, die jedoch nicht „märchenhaft“, sondern vor allem blutig ist. Und jeder, der in diese Firma investiert, profitiert vom Völkermord in Darfur – und kassiert die Renditen, die das Blut der Darfuris abwerfen.

Fotoquellen (beide Fotos unter CreativeCommons Lizenz):

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  1. [...] von Attac gleichermaßen gerufen werden. Da will auch ich nicht abseits stehen und rufe auch mal No Blood for oil! [...]

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